Familienverband Luyken



Chronikblätter 1940 (Band II)
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Ludwigshafen, 9.12.2015



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Edgar Poser, Studienassessor (S. v. † Reinhold, Poser, Reichsbahnobersekretär, und Anna Poser geb. Julitz in Nordhausen).

Nachdem am Abend vorher die meisten Hochzeitsteilnehmer sich im alten Luyken-Hause zu einem kleinen fröhlichen Polterabend zusammen gefunden hatten, an welchem u. a. Scherze aus der Jugendzeit des Brautpaares von Gretes Schwester Liselotte und Freundin Frau Ilse Müller in humorvollen Versen und Bildern vorgetragen wurden, fand am Morgen des Hochzeitstages in Gegenwart des Vaters und des Bruders der Braut Dr. Hans Luyken die standesamtliche Eheschließung statt. Um 15 Uhr vollzog Konsistorialrat Dr. Georg Oeltze die kirchliche Trauung des jungen Paares im Elternhause der Braut. Hieran schloß sich daselbst das Festessen, an welchem außer den Eltern (2) u. (4.) und den drei Geschwistern der Braut: Hans (11) mit Gattin Siegtraut (12) geb. Elgeti, Liselotte Schmidt (10) mit Töchterchen Ruth (15) und Hilde Kalkoff (3) mit ihren beiden ältesten Kindern Ilse (14) und Heinz (13) noch teilnahmen: Frau Anna Poser (9), Mutter des jungen Ehemanns, Konsistorialrat Dr. Oeltze mit Gattin (6), Frl. Frieda Niemöller (1), Schwester der Brautmutter, und Frau Ilse Müller geb. von Drigalski (8)*). Die Bevölkerung von Stolberg bezeigte ihre lebhafte Anteilnahme an diesem Fest durch zahlreiche Glückwünsche mit Blumen und anderen Spenden.

Studienassessor Edgar Poser wurde im April d. J. zum Studienrat am Gymnasium in Heiligenstadt/Eichsfeld mit Wirkung ab 1. Jan. d. J. ernannt; Wohnung des jungen Paares ebd., Reitbahn.


Die Silberhochzeit begingen:

30. Jan. Gustav Schmale, Amtsgerichtsrat a. D., und Karla geb. Kerlen, Arnsberg i. W., Eichholzstr. 16 a, [X 147, Bd. I, S:  178]


70. Geburtstag.

10. März Eduard Thilo, [X 92, Bd.&nbps;I, S: 142 u. 131], Direktor i. R., Mödling b. Wien, Schubertgasse 10.


75. Geburtstag.

3. Febr. Hermann Kühn, [X 199, Bd.&nbps;I, S: 208 208], Berlin-Lichterfelde, Kadettenweg 53.


*) Die hinter den Namen eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das Gruppenbild.


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82. Geburtstag:

10. Febr.   Wilhelm Jakobs, Kgl. Baurat a. D., Major d. Res. a. D., Bonn, Poppelsdorfer Allee 43 [X 192, Bd. I, S: 199; s. Bild: [Bd. II, S: 575]

15. Febr.   Emma von Habermaas geb. Luyken, Stuttgart, Lenzhalde 25; [VIII 36, Bd. I, S: 22; s. Bild: [Bd. II, S: 576]


84. Geburtstag.

10. März Anna Luyken geb. Krieg, Wesel, Heubergstr. 11; [IX 5, Bd. I, S: 23 u. S: 318 S. Bild: Bd. II, S: 423]


Den 50. Jahrestag seines Eintritts als Avantageur in die Deutsche Armee feierte:

1. Febr.

Ernst Hammacher
Oberst a. D., Ritter des hohen Ordens "Pour le mérite";
Groß Küssow, Post Buslar, Bez. Stettin;
[X p;77, Bd. I, S: 128]

An diesem Gedenktage wurde der Jubilar, der auch Kreiskriegerführer von Pyritz (Pommern) im NS-Reichskriegerbund ist, durch sehr zahlreiche briefliche und drahtliche Glückwünsche, u. a. auch von Generalfeldmarschall von Mackensen, geehrt und erfreut.

Die "Rheinisch-Westfälische Zeitung" widmete in ihrer Ausgabe vom 1. Febr. d. J. dem "Sohn der roten Erde" einen ausführlichen Aufsatz mit der Schilderung seiner militärischen Laufbahn und Würdigung seiner hervorragenden Verdienste im Weltkriege.





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verschlimmerte. Anfang Januar d. J. trat eine akute Herzmuskelentzündung hinzu, welche ihr durch das vorausgegangene Leiden schon sehr geschwächtes Herz nicht mehr zu überwinden vermochte.

Bei ihrer Beisetzung am 24. Januar auf dem Friedhof zu Stahnsdorf widmete Lic. Dr. Haack von der Epiphaniengemeinde der Heimgegangenen warme Worte herzlichen Gedenkens.


Am 2. Februar d. J. verschied nach kurzer schwerer Krankheit zu Kronberg im Taunus

Dr. Ing. e. h. Walther vom Rath

Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats der I. G.-Farbenindustrie A. G., Mitbegründer und Ehrenbürger der Universität Frankfurt/Main im hohen Alter des 83. Lebensjahres.

Der Heimgegangene war seit 1886 in fast 54jähriger, sehr glücklicher Ehe verheiratet mit Maximiliane geb. Meister, der Tochter von Wilhelm Meister, Mitbegründer der Firma "Meister, Lucius u. Brüning", (nachm. "Höchster Farbwerke A. G.), der ein Enkel war von G. J. Friedrich Meister und Susanna Hel. geb. Luyken [VII 13, Bd. II, S: 601 u. 613], und dessen jüngste Schwester Elisabeth Meister sich 1865 verheiratete mit ihrem Vetter Edmund Luyken [IX 22, Bd. I, S: 94].

Carl Rudolf Walther vom Rath wurde am 11. Sept. 1857 zu Amsterdam geboren als zweiter der 3 Söhne und drittes der 5 Kinder des Kaufmanns Wilhelm vom Rath, verm. 8. Mai 1849 mit seiner Base Henriette geb. vom Rath. Die Vorfahren seines Vaters lassen sich um sieben Generationen zurückführen auf Johannes vom Rath (1588-1654) in Elberfeld, als dessen Vater noch "Peter aus'm Schlippen auf'm Rath" (gest. 1630 zu Elberfeld), nachweisbar ist. *)

Walther v. R. erhielt mit seinen Geschwistern zunächst Privatunterricht in Amsterdam, kam 1872 auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium zu Köln, wo er schon Juli 1874 das Abiturium bestand.

Nach mehrmonatiger kaufmännischer Beschäftigung in der väterlichen Firma "Deichmann und vom Rath" in Amsterdam und nach einer Reise (Anfang 1875) mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Robert durch Italien und die franz. Riviera, begann er Ostern das juristische Studium in Bonn (aktiv beim Corps "Palatia"), bestand 1879 das Referendar- und wenige Jahre später das Gerichtsassessor-Examen in Berlin.

Den nun folgenden mehrjährigen Dienst bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Main gab er 1890 auf, um an Stelle seines


*) Vgl. "Die Familie vom Rath, die Unternehmungen der Familie vom Rath, ein Beitrag zur Familiengeschichte" von Dr. Gerd von Eynern (Verlag Kurt Schroeder, Bonn, 1930).


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Schwiegervaters in den Aufsichtsrat der "Höchster Farbwerke" einzutreten, dessen Vorsitz er nach dem Rücktritt des Mitbegründers von Lucius 1902 übernahm.

Als dann dieses Unternehmen gleichzeitig mit sieben anderen großen Chemie-Firmen unter seiner Mitwirkung 1925 zu "I. G.-Farbenindustrie A. G." verschmolzen wurde, trat er als stellvertr. Vorsitzender in den Aufsichtsrat dieser Interessen-Gemeinschaft ein und verwaltete bis in die letzten Jahre seines hochbetagten Lebens dieses Amt mit großem Erfolge.

Außerdem gehörte Walther v. R. lange Jahre dem Aufsichtsrat verschiedener anderer Aktiengesellschaften an, so der Versicherungs-A. G."Providentia", der "Metallbank- und Metallurgie A. G." in Frankfurt, der "Felten u. Guilleaume-Carlswerk-A. G." in Köln-Mülheim, der "Allianz-Versicherungs-A. G.", Stuttgart, und der Allgemeinen Elektrizitäts-A. G." in Berlin; alle diese Unternehmungen haben unter seiner Mitwirkung eine sehr glückliche Entwicklung genommen *).

Ueber diese engere geschäftliche Tätigkeit hinaus hat Walther v. R. aber auch auf wissenschaftlich-kulturellem Gebiet fördernd mitgearbeitet. So veranlaßte ihn sein großes Interesse für die Flugversuche des Grafen Zeppelin zur Mitbegründung der Deutschen Luftfahrt A. G. ("Delag") in Frankfurt i. J. 1900, deren Vorsitz er lange Jahre inne hatte; bei der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften zu Berlin 1910 hat er tätig mitgewirkt und war Senator und Mitglied ihres Verwaltungsausschusses; schließlich war er auch an der Gründung der Frankfurter Universität 1914 unmittelbar beteiligt, den beiden entscheidenden Organen ihrer Stiftung im Großen Rat und im Kuratorium gehörte er an; auch war er Ehrenbürger der Universität.

I. J. 1915 ehrte ihn die Techn. Hochschule Berlin durch Ernennung zum Dr. Ing. e. h.; es war dies der einzige Titel, den er jemals angenommen hat; denn nicht einmal seine am 16. Juni 1913 erfolgte Erhebung in den Adelsstand konnte ihn zu Aenderung seines Namens "vom Rath" veranlassen *).

Aus seiner am 20. März 1886 mit Maximiliane Meister zu Frankfurt geschlossenen Ehe gingen ein Sohn und drei Töchter hervor: 1) 
Wilhelm * 6.3.1887 ebd., verm. 14.1.1915 (Berlin) mit Cecilia May, * 18.3.1888 Washington, (4 Kinder); - 2) Eugenie, * 22.10.1889 Frankfurt, verm. 17.9.1910 (ebd.) m. Luis Leisler Kiep, * 10.1.1884 Glasgow, (5 Kinder); - 3) Johanna, * 17.9.1893 Frankfurt, verm. 9.3.1920 (ebd.) m. Paul Eug. Max Bekker, * 11.9.1882 Berlin (3 Kinder); - 4) Hertha, * 2.4.1899 Frankfurt, verm. 26.2.


*) a. a. O., Seite 279





Grab von
Walther vom Rath
in Frankfurt am Main



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1919 (ebd.) m. Felix Ludw. Karl von Richter, * 15.2.1877 Reisse, (3 Kinder).

Am 20. März 1936 beging Walther vom Rath mit seiner Gattin im früheren Elternhause der Letzteren (Savignystr. 3 zu Frankfurt), in welchem sie auch die grüne Hochzeit gefeiert hatten, das seltene Fest der Goldenen Hochzeit (vgl. ds. Bd., S: 422).

Trotz seiner vielseitigen und weitverzweigten Betätigung für Industrie und Wissenschaft hat Walther v. R. seine Arbeit für die I. G. Farbenindustrie stets als den Hauptinhalt seiner Lebensarbeit betrachtet; ungeachtet seines hohen Alters pflegte er noch bis in die letzte Zeit seines Lebens häufig im Betriebe der "Höchster Farbwerke" und der "I. G." zu erscheinen, um schwierige Fragen durch sein abgeklärtes Urteil entscheiden zu helfen *).

Bei der Trauerfeier, die am Mittwoch dem 7. Februar im Krematorium des Frankfurter Hauptfriedhofes für Walter vom Rath in großem Rahmen stattfand, hielt Pfarrer Moser aus Kronberg, wo der Heimgegangene auf der von seinen Schwiegereltern ererbten Besitzung die Erholungszeit zu verbringen pflegte, die Gedächtnisrede. An sie schlossen sich die Dankesworte und Abschiedsgrüße namhafter Vertreter und Angehöriger der verschiedenen Organisationen, Werke und Institute, an deren Entstehen und erfolgreicher Weiterentwicklung Walther v. R. wesentlich mitgewirkt hatte.

Unter den zahlreichen Zuschriften reger Anteilnahme, die der Witwe des Heimgegangen zugesandt wurden, befanden sich auch die in herzlichen Worten gehaltenen Beileidstelegramme des Ministerpräsidenten Generalfeldmarschall Hermann Göring, des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger, des Großadmirals Dr. h. c. Raeder und des Reichsministers Dr. Lammers.

Die "Frankfurter Zeitung" widmete in ihren Ausgaben vom 2. und 8. Februar ihrem Mitbürger ausführliche, von seinem Bilde begleitete Artikel, in denen die bedeutsamen Verdienste des Heimgegangen auf wirtschaftlichem, wissenschaftlichem und besonders auch auf sozialem Gebiet hervorgehoben wurden.


Am 1. März d. J. verstarb an den Folgen einer Operation in München

Harro L'Orange

im 37. Lebensjahre.

Der so früh Entschlafene entstammt einer Hugenotten-Familie, die unter dem Großen Kurfürsten in Ostpreußen angesiedelt wurde. Ihre

*) a. a. O., Seite 280.


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Vorfahren gehörten, bis auf den Großvater Rudolf L'Orange, der Arzt und Leiter des Johanniterkrankenhauses zu Beirut (Syrien) war, dem Offizierstande an. Das Familienwappen zeigt die französische Lilie der Oranier. In welchem genealogischen Zusammenhang die Familie L'Orange mit jenem alten Fürstengeschlecht steht, hat sich bisher nicht nachweisen lassen.

Harro Raoul L'Orange wurde am 1. Nov. 1903 zu Ilsenburg/Harz geboren als jüngerer der beiden Söhne und zweites der 3 Kinder des am 30. Juli 1939 zu Stuttgart verstorbenen Generaldirektors der "Benz Motorenwerke", Mannheim, Dr. Ing. e. h. 
Prosper L'Orange und dessen dort z. z. lebenden Ehefrau Hedwig geb. Eisendick.

Nach Erlangung der Primareife auf der Oberrealschule zu Mannheim machte er daselbst eine 2½ jährige Lehrzeit bei der "Rheinelektra A. G." durch und besuchte gleichzeitig auch die Abendkurse der dortigen Handelshochschule.

Hierauf studierte er mehrere Semester an der Technischen Hochschule zu Berlin und diente anschließend 9 Monate als Zeitfreiwilliger beim 9. Infanterie-Regiment in Spandau.

Nachdem Harro dann einige Zeit in den Motorenwerken zu Mannheim gearbeitet hatte, wurde er von dieser Firma 1925 als Motorenfachmann zu ihrer spanischen Vertretung nach Barcelona entsandt. Hier vertrat er neben anderen deutschen auch englische und amerikanische Firmen bis 1936 mit einer Unterbrechung von 1½ Jahren, die er in Frankreich und Deutschland verbrachte. In Spanien sorgte Harro auch wesentlich für die Einführung von Dieselmotoren in die dortige Fischerei und wirkte ebenso an der Einrichtung von Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft mit; zu diesem Zweck fand er Gelegenheit, außer Spanien auch Portugal auf seinen Reisen kennen zu lernen.

Im August 1934 hatte er auf einer Trauerfeier, die anläßlich des Todes des Reichspräsidenten Generalfeldmarschall Paul v. Hindenburg zu Madrid auf der Deutschen Botschaft stattfand, seine dort als Sekretärin beschäftigte Gattin Gertrud Luyken kennen gelernt, die Tochter von † Dr. phil. Wilhelm Luyken, aus dessen 1. Ehe mit † Elfriede geb. Möller [X 50 ds. Bd., S: 136], mit welcher sich Harro am 12. Febr. 1936 in Palma de Mallorca verheiratete. Der Ehe entstammen ein Sohn, H.-R., * 10. Febr. 1937 zu Berlin-Charlottenburg, und eine Tochter E., * 12. Juli 1939 zu Chemnitz.

Als bald nach der Heirat der Bürgerkrieg in Spanien ausbrach, der die Weiterführung von Handeslbeziehungen unmöglich machte, entschloß sich Harro, vorläufig nach Deutschland zurückzukehren, wo er zunächst in Berlin Vertretungsgeschäfte übernahm und dann seit





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März 1938 als Leiter der Exportgruppe für Motoren und der Auto-Union A. G. Chemnitz und nebenbei dort als Lektor für die Abendkurse an der Dolmetscherschule tätig war.

Im letzten Jahre litt Harro unter einer schweren Magenerkrankung, welche schließlich einen wiederholten Operativen Eingriff erforderlich machte; an den Folgen der zweiten Operation verschied Harro L'Orange am 1. März d. J. in München; er wurde auf dem Friedhof zu Stuttgart neben seinem Vater beigesetzt.


Am 23. März d. J. verschied nach langem, schweren Leiden

Gustav Mottau

Oberförster i. R.

im 76. Lebensjahre.

Gustav Bernhard Mottau*) wurde am 11. Nov. 1864 als Sohn von Fritz Mottau (1830-1865) und Marie geb. Luyken [IX 3, Bd. I, S:  68] zu Dortmund geboren, wo sein Vater damals als Kreisrichter tätig war. Als dieser schon 5 Monate nach der Geburt seines Sohnes gestorben war, zog die Mutter mit Gustav und seiner 2 Jahre älteren Schwester Emmy wieder nach Wesel in das Elternhaus zurück zu ihrer seit dem Tode ihres Gatten Georg († 1846) verwitwet lebenden Mutter Henriette Luyken geb. Vassoll. Hier besuchte Gustav von 1875 bis 1885 das Gymnasium, das er mit dem Zeugnis der Reife verließ, um sich dem Forstfach zu widmen. Er studierte 1885 bis 1889 Forstwissenschaft in Neukrakow, Reg.-Bez. Köslin, Eberswalde, München und Berlin und diente dann als einj. Freiwilliger beim Feld-Art.-Regt. 7 in Wesel, welchem er später auch als Reserveoffizier angehörte. Nach dem i. J. 1893 bestandenen Staatsexamen war Gustav M. als Forstassessor in verschiedenen Regierungsbezirken, u. a. Aachen, Trier, Danzig und Kassel beschäftigt, bis er 1906 zum Oberförster im Forstbezirk Rennerod im Westerwald (Reg.-Bez. Wiesbaden) ernannt wurde. Doch schon 6 Jahre später stellte er den Antrag auf Versetzung in den Ruhestand, der ihm auch bewilligt wurde, nachdem er das Angebot auf Erfüllung irgend welcher Wünsche abgelehnt hatte. Gustav M. siedelte nun 1912 nach Steinau bei Schlüchtern (Bez. Kassel) über, wo er die nachfolgenden 17 Jahre wohnen blieb, um dann im Sommer 1929 in seine Vaterstadt Wesel zurückzukehren. Hier schloß er am 4. Juli 1929 die Ehe mit Emilie Bierhoff, der zu Werdohl bei Altena i. W. geborenen Tochter des dortigen Kaufmanns und späteren Teilhabers der Firma "Bierhoff u. Springorum" zu Essen, und dessen Gattin Amalie geb. Kratz.

Seine beiden letzten Lebensjahre waren durch ein schweres Nervenleiden getrübt, von welchem Gustav Mottau am 23. März d. J. durch einen sanften Tod erlöst wurde.


*) Ein zum Abdruck geeignetes Bild des Entschlafenen ist leider nicht vorhanden.


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Henriette Luyken
geb. Hohdahl
(1786-1864)

Philipp Luyken
(1783-1861)




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Im Anfang seines 28. Lebensjahres verheiratete sich Philipp mit Henriette Hohdahl, welche er im Hause ihres Schwager, des Kaufmanns Heinrich Köhne, kennen gelernt hatte. Ueber die Hochzeit berichtet Daniel (IV) in seinen Aufzeichnungen:

"Anno 1810, Sonntag den 20. May den Nachmittags wurde mein Bruder Johann Philipp Luyken mit seiner Braut Johanna Sophie Henriette Hohdahl, gebürtig aus den Hamm, ehelich verbunden. Um drey Uhr giengen sie mit den nächsten Verwandten zum Rathhause, wo ich als Adjonct de Maire die Civil Copulation vollzog. Hierauf giengen wir nach dem Hause ihres Schwagers Joh. Heinrich Köhne, bei den sie 10 Jahre gewesen war, wo unser Schwager Friedrich Meister [VII 13, ds. Bd., S. 602] aus Wöbbel die geistliche Copulation vollzog.

Wenn unsere Wünsche und Gebete zu den Gott der Liebe nach seiner Güte und Liebe erhört werden, so sind sie gewiß sehr glücklich und einst ewig"*).

Aus dem schon erwähnten Tagebuch von Margaretha Luyken erfahren wir noch, daß ihr Schwager Friedrich Meister, der von Wöbbel zu Pferde herüber gekommen war, am Hochzeitsmorgen in der Willibrordikirche die Predigt hielt, an deren Schluß das junge Paar zum dritten und letzten Male proklamiert wurde.

An der Festtafel im Hause Köhne nahmen 37 Personen teil, u. a. der "alte Unkenboldt", wahrscheinlich ein Onkel der Braut, und ihr älterer Bruder, der Justizcommissarius Joh. Heinrich Hohdahl aus Hamm. "Bei Tische", so schreibt Margaretha, "wurde Musik gemacht und gesungen, allein es wollte doch nicht so recht gehen wie es sollte, und wie man wollte; wären die Musikanten, die nur erbärmlich spielten, und die schon halb besoffen waren, wie sie kamen, nicht dagewesen, dann wäre es vielleicht froher gewesen."

(Der Schluß dieser Lebensschilderung folgt im nächsten Heft.)




Caspar Luyken im "Zeitglöcklein."

Der bekannte kleine Jahreskalender "Zeitglöcklein" bringt in seiner neuen Ausgabe für 1940 (Bibliographisches Institut Leipzig 1939) in wohlgelungenem Farbendruck die 12 Monatsbilder des Malers und Stechers Caspar Luyken. In der Einleitung ist aus der Feder von Dr. Georg Gustav Wießner eine knappe Lebensschilderung dieses holländischen Künstlers und eine kurze Würdigung seiner Monatsbilder vorausgeschickt.

Caspar Luyken (1672-1708) und sein als Kupferstecher und Dichter den Sohn an Bedeutung noch überragender Vater Jan Luyken (1649-1712) lebten beide in Amsterdam, wo sie auch geboren und gestorben sind. Ihre Vorfahren waren aber nicht niederländischer, sondern deutscher Herkunft; denn schon Jan's Vater Caspar Luyken der Aeltere, der um 1667 in Amsterdam starb, war nach dort


*) Seite 89 der Abschrift.





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eingewandert aus Essen/Ruhr, wo er um 1608 geboren ist. Auch Caspars d. Ä. Vater, Christoph L. der Jüngere (* ca. 1579, † 1623), und Großvater, Christoph L. der Aeltere (1534 bis ca. 1580 oder 1594) waren in Essen ansässig; hier hat der erstere in den Jahren 1615 bis 1621 auch das Amt eines Ratsverwandten bekleidet.

Wie schon in diesen "Chron.-Bl." an früherer Stelle erörtert wurde (Bd. I, S: 87 f), ist es nach den Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Conrad Ribbeck sehr wahrscheinlich, daß die Vorfahren der beiden Christoph Luyken identisch sind mit denjenigen des Geschlechtes Lucken, welches vom Ende des 14. Jahrhunderts in Essen nachweisbar ist, und welchem auch der Hauptmann Johann oder Hans Lucken (* ca. 1500, † 1562) angehört, der eine hochangesehene Persönlichkeit in seiner Vaterstadt gewesen sein soll. Der verwandtschaftliche Zusammenhang der beiden Christoph L. mit den Essener Lucken wird von Dr. Ribbeck hauptsächlich aus der Tatsache gefolgert, daß die Witwe von Christoph Luyken dem Aelteren, Adelheid geb. van Rhemen aus Deventer (in ihrer zweiten Ehe verm. mit dem Rektor Nikolaus Fabricius) um das Jahr 1624 mit der Witwe Gude von Hans Lucken, der diese 1600 geheiratet hatte und der ein Enkel des Hauptmanns Hans Lucke war, in des letzteren Haus "am Rott" zu Essen gemeinsam gewohnt hat. Hieraus ergibt sich weiterhin als möglich, daß Christoph d. Ä. ein Sohn des Hauptmanns Hans Lucken gewesen ist.

Auch läßt sich aus dem Umstande, daß der bisher als unser Stammvater nachweisliche, aus Waltrop bei Dortmund gebürtige und nach Holten übergesiedelte Geschichtsschreiber Hendrich Luyken († 1607), Rentmeister der zum Stift Essen gehörigen Abtei in Sterkrade war, die in Anbetracht der eigenartigen Schreibweise des Namens sehr wahrscheinliche Folgerung ziehen, daß die Vorfahren unseres Stammvaters und diejenigen der Essener Linie demselben Geschlecht angehören; ja es wäre sogar mit der Möglichkeit zu rechnen, daß unser Stammvater den Posten als Rentmeister der Abtei Sterkrade den Beziehungen zu seinen Verwandten in Essen zu verdanken hatte.

Was schließlich die Einschaltung des y in unseren, ursprünglich Lucken lautenden Familiennamen anbelangt, welche die sehr verbreitete irrige Annahme, unser Geschlecht sei niederländischen Ursprungs, veranlaßt hat, so läßt sich diese, wie schon in Bd. I, S: 44 dieser "Chron.-Bl." dargelegt wurde, zwanglos dadurch erklären, daß um die Mitte des 16. Jahrhundert unter dem Einfluß niederländischer Kultur in der niederrheinischen Gegend die Dehnung des Buchstabens u durch nachfolgendes y in Orts- und Familiennamen dort nicht selten vorkam. So wird auch in einem Erlaß des Herzogs Wilhelm von Cleve vom Jahre 1525 gegen die "ketzerischen Schriften" Martin Luthers, der Name dieses großen Reformators nicht Luther, sondern Luyther geschrieben.


Druck von Friedrich Luyken G. m. b. H., Gummersbach (Rhld.).



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Gestorben:

Am 7. Mai d. J. entschlief infolge Herzschwäche zu Viersen

Ernst Weyer

im 78. Lebensjahre.

Der Heimgegangene hatte sich am 26. Mai 1923 zu Süchteln in 3. Ehe verheiratet mit Luise Leuken, Tochter von Carl Leuken (1849-1929), wld. Apothekenbesitzer ebd., [IX 131, Bd. I, S: 66 u. 422] und seiner Ehefrau Amanda geb. Blasberg (1857-1887).

Friedrich Ernst Weyer wurde am 20. Juli 1862 zu Viersen geboren als zweiter der 4 Söhne und fünftes der 10 Kinder des dortigen Kaufmanns Hermann Weyer (1826-1904), verm. mit Johanna geb. Schopen (1827-1883).

Die Vorfahren seines Vaters sind wahrscheinlich als Bauern in Viersens Umgebung mehrere Jahrhunderte hindurch ansässig gewesen; so haben vor noch nicht langer Zeit zwei Bauerngüter in dem unweit der Stadt gelegenen Ort Helenabrunn den Namen "Weyerhof" geführt, eine auf eigene Forschungen gestützte Chronik des Genealogen Niepott geht bis 1510 zurück, doch fehlt für die Zeit um 1720 ein Glied in der Kette der Vorfahren im Mannesstamm.

Nach dreijährigem Besuch der Volksschule kam Ernst W. als guter Schüler sogleich auf die Quinta des Gymnasiums seiner Vaterstadt, das er als Oberprimaner noch vor dem Abiturium verlassen mußte, da sein Vater wegen erheblichen Vermögens-Verlustes ihn nicht studieren lassen konnte. Er erhielt zunächst eine dreijährige kaufmännische Ausbildung in einem Manufakturen-Geschäft zu Soest, und übernahm dann mehrere Jahre hindurch die Vertretung für verschieden Firmen. Sein reges Interesse für Steuerfragen und Buchführung trieb ihn zum eifrigen Selbststudium auf diesem Gebiet mit solchem Erfolge, daß er sich nunmehr als Steuerberater und -Syndikus zu betätigen vermochte.

Am 1. April 1902 verheiratete sich Ernst Weyer zu Viersen mit Helene Tattenberg, geb. 18. Nov. 1881 ebd. als Tochter des Kaufmanns Johann Tattenberg (1835-1882) und seiner Ehefrau Johanna Magdalena geb. Garthmann (1842-1924). Dieser schon nach 7 Jahren durch den Tod seiner Gattin am 22. August 1909 beendeten Ehe entstammen 3 Söhne: 1) Ernst, * 28.2.1904 Viersen, verm. 15.5.1934 Düsseldorf mit Grete geb. Ischebeck (2 Kinder); - 2) Friedrich, * 4.3.1905 Viersen, verm. 28.7.1932 ebd. mit Elly geb. Will (1 Kind); - 3) Dr. jur. Paul Weyer, Bürgermeister in Neusalz/





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Oder, * 27.8.1907 Viersen, verm. 29.3.1936 mit Ursel Leuken, der Tochter von † Ing. Hans Leuken [X 203, Bd. I, S: 201; Bd. II, S: 94], wld. Osnabrück, und Betty geb. Hoppe, z. Z. Neusalz.

Letzterer war ein Bruder von Luise Leuken aus Süchteln, mit welcher Ernst W., wie eingangs schon mitgeteilt, am 26. Mai 1923 die dritte Ehe schloß, nachdem ihm seine 2. Gattin Olga geb. Schicke am 26. Juli 1919 durch den Tod entrissen worden war.

Im Januar d. J. begann die bisher so gute Gesundheit bei Ernst  W. plötzlich nachzulassen; bald darauf traten auch Lähmungserscheinungen auf, die sich zwar in der Folgezeit allmählich besserten, ihn aber doch so angegriffen hatten, daß er sich zur Untätigkeit gezwungen sah. Dem zunehmenden Kräfteverfall vermochte sein Herz auf die Dauer nicht mehr zu widerstehen; infolge eines am Nachmittag des 7. Mai erlittenen Schwächeanfalls verschied Ernst Weyer gegen 9 Uhr abends bei vollem Bewußtsein und im zuversichtlichen, trostreichen Glauben an seinen Heiland. Vier Tage darauf, am Sonnabend, den 11. Mai, erfolgte seine Beerdigung auf dem Friedhof zu Viersen.

Ernst Weyer war ein großer Freund der Bücher; sie waren seine "Lieblinge", durch deren eifrige Lektüre er sich vermöge seines scharfen Denkens und guten Gedächtnisses weitgehende Kenntnisse auf allen Wissengebieten erwarb. Für sich sehr anspruchslos, hatte er stets guten Rat und helfende Hand für alle Mitmenschen.



Chronik
der Familie Luyken und Anverwandten
Generation VII

(Fortsetzung zu Heft 20, 1).

VII 17)   Philipp Luyken und J. S. Henriette geb. Hohdahl.
(Schluß der Lebensschilderung im vor. Heft.)

Auf die Familie Hohdahl und ihre Vorfahren soll später im Anhang zu dieser Lebensschilderung ausführlich eingegangen werden. Hier sei nur bemerkt, daß Henriette am 8. August 1786 zu Hamm i. W. als vierte der 7 Töchter und sechstes der 9 Kinder des dortigen Justizbürgermeisters, des Hofrats Heinrich Jacob Hohdahl und seiner Ehefrau Sara geb. Unkenbold geboren war. Im Familienkreis wurde sie mit dem Kosenamen "Jette" oder auch sehr häufig, zumal von der jüngeren Generation, Jeanette genannt, vermutlich durch Zusammenziehen ihrer beiden Vornamen Johanna und Henriette und zur Unterscheidung gegenüber der Tochter Henriette Sethe geb. Luyken und den beiden Schwiegertöchtern von Daniel (IV) L., den Gattinnen seiner beiden Söhne Georg u. Bernhard, Jette geb. Vassoll u. geb. Lueg.


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Nach dem, am 18. Nov. 1800 erfolgten Tode ihrer Mutter - ihr Vater war schon sieben Jahre früher verstorben - war die damals 15jährige verwaiste Henriette in das Haus ihres Schwagers Joh. Heinrich Köhne nach Wesel gekommen, welcher seit dem 25. Okt. 1789 mit ihrer ältesten Schwester Elisabeth Hohdahl verehelicht war.

Da dieser auch bei Henriettes Taufe am 17.8.1786 in deren Elternhause zu Hamm mit seiner Schwester Johanna Sophie Pate gewesen war, muß schon damals zwischen den beiden Familien Hohdahl und Köhne eine enge freundschaftliche, vielleicht sogar eine verwandtschaftliche Beziehung bestanden haben.

Nach seiner Heirat blieb Joh. Philipp wie bisher im Elternhause, in welchem Mutter
Christine dem jungen Paare eine eigene Wohnung einräumte. Von ihren übrigen Kindern wohnte jetzt nur noch die zweitjüngste Tochter Johanna Margaretha [VII 15, S: 649] dort, welche aber bald nach dem Tode der Mutter auch das Haus verließ und zu ihrem jüngsten Bruder Dr. med. Joh. Albert Luyken [VII 18] auf dessen Gut Landfort bei Anhold i. W. übersiedelte.

Philipp Luyken wohnte nun mit seiner Familie allein im alten Löhr-Luyken-Hause, Baustr. 655 (heute 48), das ihm mit den beiderseitig benachbarten Häusern 654 und 656 (heute 46 und 50) und den zugehörigen Gärten, außer einigen Grundstücken in der Umgebung Wesel, als elterliches Erbe zugefallen war (vgl. ds. Bd. S: 196).

Hier kamen in den Jahren 1811 bis 1824 auch seine 7 Kinder, und zwar 6 Töchter und ein Sohn zur Welt, so daß nun zum vierten Male wie in den drei früheren Generationen jugendfrisches fröhliches Leben und Treiben die alten historischen Räume erfüllte.

Es war noch derselbe alte Bau, den einst Philipps Urgroßvater mütterlicherseits, Wienand Löhr, nach Vereinigung des 1703 bezogenen kleinen Hauses am "Baudanz" (damals Nr. 414) mit dem hinzugekauften Nachbarhause als Wohn- und Geschäftshaus eingerichtet hatte (ds. Bd., S: 199). In den vorderen Räumen des Erdgeschosses befand sich das Kolonialwarengeschäft; dahinter lag mit den Fenstern nach dem Hofe die große "Mittelstube", die von der Familie als Speisezimmer und als gemeinsamer Aufenthaltsraum, besonders in den Abendstunden, benutzt wurde. Im Obergeschoß waren die Wohn- und Schlafzimmer untergebracht. Den hinter dem Hause im Abstand von 17 Fuß durch Großvater Joh. Arnold Löhr errichteten "Mittelbau", in welchem sich außer den Wirtschafts-, Lager- u. Personalräumen auch sein im ersten Stockwerk gelegenes, "der Winkel" benanntes Privatkontor befand, wonach später das ganze Haus zur Unterscheidung von den übrigen Luykenhäusern in der Baustraße den Beinamen "im Winkel" erhielt, hatte Phlipps Vater Daniel (III) Luyken i.  J. 1782 abbrechen und in den beiden folgenden Jahren durch zwei unmittelbar an das Haus anschließende Flügelbauten ersetzen lassen (vgl. ds. Bd., S: 167 f).





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Im Jahre 1828 gab Philipp das Kolonialwarengeschäft auf, da er damals mit der Firma seines ältesten Bruders "Daniel Luyken, Dan. Sohn", welche die von Daniel (IV) in den Jahren 1792/94 begründete Seifenfabrik (S: 305) und die unweit derselben 1824 errichtete Oelmühle umfaßte, Geschäftsverbindungen angeknüpft hatte.

Der Handel mit Eisenwaren wurde jedoch noch bis zum Jahre 1837 fortgesetzt, und damit auch der Plan hinausgeschoben, nicht nur die bisherigen Geschäftsräume zu Wohnzwecken zu verwenden, sondern auch das schon mindestens zweijahrhundertalte Vorderhaus durch einen, den modernen Erfordernissen entsprechenden, Neubau zu ersetzen.

So feierten noch im alten Hause 1835 Philipp mit Jette Luyken die Silberhochzeit und ein Jahr später, am 20. April 1836, ihre älteste Tochter Wilhelmine, stets "Mine" genannt, mit ihrem Vetter Hermann Luyken, dem jüngeren Sohn ihres Vaterbruders Joh. Arnold Luyken [VII 11, ds. Bd., S: 445], die grüne Hochzeit.

Anfang 1838 wurde dann der Abbruch des alten Hauses begonnen. Wie die junge Frau Mine Luyken, welche mit Hermann nach der Heirat vorläufig bis zur Uebersiedlung auf die Pfarrstelle in Berge bei Hamm eine Wohnung am Kornmarkt zu Wesel bezogen hatte, im "Geßnerschen Memorabilien-Kalender" (ds. Bd., S: 207, 3. Fußnote) vermerkt hat, versammelte sich am 7. Jan. 1838 die ganze Familie zum letzten Mal in der altvertrauten, erinnerungsreichen "Mittelstube"; ein viertel Jahr darauf, am 24. April legten sie und Hermann den Grundstein zur Vordermauer des Neubaus, welcher dann mit den alten rückwärtigen Seitenflügeln wieder verbunden wurde.

Die erste größere Familienfeier, die im neuen Hause stattfand, war die Hochzeit der drittältesten Tochter Louise am 15. Okt. 1839 mit Carl Kehl, dem Besitzer einer Weingroßhandlung in Wesel [VIII 25, Bd. I, S: 45 u. S: 503].

Von den übrigen drei Töchtern Philipps - die drittjüngste Emma war bereits 1828 im Kindesalter gestorben, - heiratete nur noch die zweitjüngste Mathilde, und zwar am17. Mai 1845 den Gewerken und nachmaligen Leiter der "St.Wilhelms-Eisenhütte" zu Warstein (heute: "Warsteiner und Herzogl. Schleswig-Holsteinische Eisenwerke A. G."), Gutsbesitzer Wilhelm Hammacher aus Dortmund [VIII 28, Bd. I, S: 46; Bd. II, S: 156]. Der einzige Sohn, August Luyken, [VIII 26, Bd. I, S: 46] vermählte sich 6 Wochen später, am 27. Juni 1845, zu Wesel mit Bertha te Peerdt, der Tochter des dortigen Justizkommissarius Wilhelm te Peerdt und von Annette geb. Kumpsthoff. Aus diesen beiden Ehen von vier ihrer Kinder hatten Philipp und Jette Luyken die große Freude, 22 Enkel zu erleben, (der 23. und jüngste kam erst nach ihrem Tode zur Welt), die mit zwei Ausnahmen sämtlich die Großjährigkeit erreichten.

Alle diese nahmen auch außer dem damals 18jährigen Carl Kehl, der später die beiden Feldzüge gegen Oesterreich (1866) und Frankreich (1870/71) mitmachte und am 31. Aug 1871 der im letzteren


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erlittenen Verwundung erlag, an der Goldenen Hochzeit der Großeltern teil, welche 1860 im großen Rahmen gefeiert wurde. Ueber den Verlauf diese Festes schreibt Frau Mine in ihrem oben erwähnten Memorabilien-Kalender:

"1860, Mai 20, Goldene Hochzeit, alle Kinder und bis auf Carl Kehl waren auch alle Enkel anwesend. Die Feyer begann mit 4 Chorälen durch die Regimentsmusik, Morgens früh; danach versammelten sich sämtliche Familien, von welchem das Jubelpaar mit dem Gesange: "Ach bleib mit deiner Gnade", empfangen wurde; dann folgte eine Rede meines Mannes und zum Schluß wieder Gesang. Dann Mittagessen; abends brachten die Nachbarn Fackelzug mit Musik."

Der dankbaren Erinnerung an diese so glänzend und harmonisch verlaufene Familienfeier sich in gemeinsamer Aussprache zu erfreuen, sollte den beiden, in langjähriger treuer Liebe verbundenen Weggenossen nur noch kurze Zeit vergönnt sein; denn schon 9 Monate später verschied
Joh. Phlipp Luyken im 78. Lebensjahre und wurde in der von seinem Vater Daniel (III) auf Ruhhof erbauten Familiengruft (ds. Bd., S: 174) beigesetzt; und nach dreijähriger, durch den häufigen Besuch ihrer Kinder und Enkel verschönten Witwenschaft folgte auch seine Gattin Jette Luyken geb. Hohdahl ihrem Lebensgefährten in gleich hohem Alter dorthin nach.

Schon in früher Jugend hatte Philipp während des ersten Koalitionskrieges das Vordringen französischer Truppen zum jenseitigen Rheinufer und von dort her am 9. Nov. 1794 sogar die Beschießung Wesels miterlebt; 12 Jahre später hatten dann auch die Franzosen von seiner Vaterstadt Besitz ergriffen. Gleich seinen Vorfahren ein treuer Untertan des Königshauses, sehnte auch er in jener Zeit wie alle patriotisch gesinnten Bürger die Erhebung Preußens gegen die napoleonische Zwangsherrschaft herbei, als dann nach dem Fehlschlagen jener von Major Schill unternommenen heldenhaften Befreiungskämpfe 11 seiner Offiziere*) in der Zitadelle zu Wesel dem Todesurteil entgegen sahen, war es für Philipp nur selbstverständlich, daß er ebenso wie sein Bruder Daniel sich in die Beitragsliste einschrieb, welche eine bessere Verpflegung für die unglücklichen Gefangenen bezweckte (vgl. ds. Bd. S: 383).

Philipp war ein sehr rühriger Kaufmann mit klugem, praktischem Weitblick, den er vor allem beim Einkauf der Ware bewies, und der


*) Außer diesen 11 Offizieren befand sich übrigens, wie Philipps Schwester Joh. Margaretha Luyken [VII 15, ds. Bd., S: 649] in ihrem oben erwähnten Tagebuch berichtet, noch ein zwölfter, Leutnant Sarenbach, auf der Zitadelle zu Wesel in Haft, der auch unter Major Schill gedient hatte, aber nicht mit seinen Kameraden erschossen wurde, weil sein Name in der Urteilsliste "vergessen" worden sei. Nach zweijähriger Gefangenschaft wurde Lt. Sarenbach, als Napoleon die Stadt im Herbst 1811 besuchte und am 1. November auch die Zitadelle besichtigte, begnadigt und sofort freigelassen.





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auch der Firma seines Bruders Daniel zugute kam, als er für ihre Oelschlägerei die Beschaffung des Rapsgutes übernommen hatte. Auch auf die Beurteilung des Weines scheint er sich gut verstanden zu haben, wie aus den Aufzeichnungen seiner Enkelin Martha Luyken [IX 35, Bd. I, S: 35 und S: 430] hervorgeht*). Hiernach hatte er in den ersten Jahren seiner Ehe für sich und Daniel zum Hausgebrauch mehrere Faß Wein vom Jahrgang 1811 kommen lassen; als Frau Jette davon kostete und enttäuscht ausrief: "Dat Water!", meinte er zuversichtlich, wenn die junge Dame auf ihrem Arm - es war die kleine Mine, - einmal Hochzeit feiere, dann werde "dat Water" einen guten Festwein abgeben. So kam es denn auch, und nicht nur bei der Hochzeit seiner Tochter Mine i. J. 1836, sondern noch mehrere Jahrzehnte später ward dieser 1811er Wein bei Festlichkeiten wegen seiner vorzüglichen Alterung und würzigen Blume viel bewundert und gepriesen.

Seine Geschäftsreisen in das Clevische und Bergische Land unternahm Philipp in der Regel zu Pferde; seine Tochter Mine pflegte dann ihm, wie sie ihren Enkeln später erzählt hat, selbst den Mantelsack zu packen und die Sattelpistolen hinauf zu reichen; dann habe sie dem davonreitenden Vater mit besorgten Blicken nachgeschaut, bis er an einer Wegbiegung verschwand.

Aus dem Umstande, daß die Nachbarschaft dem Ehepaar Philipp und Jette Luyken anläßlich seiner Goldenen Hochzeit, wie oben berichtet, einen Fackelzug darbrachte, läßt sich wohl vermuten, daß Philipp durch sein Wirken in der Oeffentlichkeit sich hervorgetan und Anerkennung und Dank erworben hat. Indessen hat er im Gegensatz zu seinem Bruder Daniel ein Ehrenamt innerhalb der Stadtverwaltung nicht bekleidet, sondern ist nur wie auch dieser eine Zeitlang Kirchmeister gewesen.

Die Ursache für das große Ansehen, das Philipp in weiten Kreisen der Bürgerschaft zuteil wurde, dürfte vor allem in der großzügigen Freigiebigkeit liegen, mit der er allen Bedürftigen, die seinen Beistand erbaten, aus der Not half. Denn nach einhelliger Ueberlieferung gehörte zu den wesentlichen Grundzügen seines Charakters außerordentliche Gutmütigkeit, durch die er vor allem die Herzen der jüngeren Generation für sich gewann; stets war er darauf bedacht, seinen Enkeln sowie Neffen und Nichten eine Freude zu machen, und mitunter soll er ihnen etwas Gutes sogar heimlich zugesteckt haben, wohl in der berechtigten Besorgnis, daß seine Frau aus Gründen der Erziehung und Sparsamkeit eine derartige Verwöhnung oder Verschwendung tadeln würde. Denn Frau Jette war eine in allen Dingen stets auf genaue Ordnung bedachte Hausfrau, die wegen ihrer Strenge von der Jugend mehr respektiert als geliebt wurde. Dafür hatte sie aber auch keineswegs leichte Pflichten zu erfüllen;


*) Freundlichst mitgeteilt von ihrem Neffen Dr. med. Ewald Luyken [X 69, Bd. I, S: 119] in Stolberg/Harz.


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neben der Erziehung der 7 Kinder und der Besorgung des großen Haushaltes fiel ihr auch die Verantwortung für den ordentlichen Weitergang des Kolonialwarengeschäftes zu, besonders dann, wenn ihr Philipp auf Reisen abwesend war.

Wie sehr ihr die Sauberkeit im Hause vor allem am Herzen lag, dafür ist eine kleine Begebenheit bezeichnend, die sich Anfang 1813 zutrug. Damals waren verschiedene Regimenter der aus Rußland zurückflutenden napoleonischen Armee nach Wesel gekommen und dort auch vorübergehend einquartiert worden. Als eines Morgens nun Tante Jeanette mit der Säuberung des "Gartensaals" (im rechten Seitenflügel des Hauses) beschäftigt war, in welchem mehrere Soldaten eines auf dem Rückzug stark verwilderten ostpreußischen Regiments übernachtet hatten, riefen ihr einige junge Neffen vom Hofe aus durch das offene Fenster zu, sie möge doch heraus kommen und sich auch die Sonnenfinsternis*) ansehen, denn so eine käme erst in 100 Jahren wieder. "Ich habe hier schon Finsternis genug!" rief sie zurück, auf die an den Wänden krabbelnden braunen Spuren der Einquartierung hindeutend, und - blieb bei ihrer Arbeit**).

In ihren späteren Jahren, als sie nicht mehr für die Erziehung der Kinder und für das Geschäft zu sorgen hatte, soll sich Frau Jettes Strenge wesentlich gemildert haben; besonders, so wird erzählt, habe sie Andeutungen nicht gern gehört, wonach sie im Hause allein das Regiment führe. Auch darin mag sie wohl Recht gehabt haben, denn ihr Gatte dürfte zu nichts weniger als zum "Pantoffelheld" geeignet gewesen sein. Wohl ließ er sie mitunter nach Belieben schalten und auch schelten, wußte er doch, daß sie es im Grunde sehr gutherzig meinte; doch verstand er es auch, sich durchzusetzen, wenn sie im Eifer des Tadelns zu weit ging.

Als Beispiel dafür mag eine kleine Anekdote hier Platz finden, die heute noch in der Familie im Umlauf ist.

Als Philipp eines Abends im lebhaften Gespräch sein Weinglas so heftig auf den Tisch setzte, daß es zerbrach, und Frau Jette ihn deshalb sehr heftig ausschalt, hörte er eine Weile ruhig zu; als es ihm dann aber zuviel wurde, ergriff er schnell ein anderes Glas und stieß es mit den Worten: "Sieh' mal Jette, ich hab' doch bloß so gemacht!" so hart auf den Tisch, daß auch dieses zerbrach; und so machte er es noch mit einem dritten und vierten Glase, bis Frau Jette ganz stille wurde, um weiteres Unheil zu verhüten. -

In heiterer Erinnerung wird gewiß allen Teilnehmern unseres Familientages 1926 zu Wesel (Bd. I, S. 
300) das kleine Erlebnis sein,


*) Hiernach muß sich der kleine Vorgang am Montag, dem 1. Februar 1813 zugetragen haben, da an diesem Tage eine für Berlin von 9 Uhr 10 Min. bis 11 Uhr 33 Min. dauernde partielle Sonnenfinsternis stattfand.

**) Nach einer freundlichen Mitteilung von ihrem Urenkel Johannes Thilo [X 96, Bd. I, S. 143], Amtsgerichtsrat in Bielefeld.





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Ob er aus der 1.  oder der 2. Ehe des Pfarrers stammt, hat sich noch nicht feststellen lassen. Im Alter von 10 Jahren verliert er seinen Vater. Aus seiner frühen Jugend ist nichts bekannt. Er selbst*) gibt an: "....daß ich die Rechtswissenschaft zuerst auf dem Academischen Gymnasio zu Hamm und hernächst auf der Friedrichs Universität Halle erlernt, auch öffentlich de Guarantia pactorum foederumve Religionis ergo percussorum disputiret und in praxi mich geübet... ". An einer anderen Aktenstelle wird seine Erklärung angeführt: "... er habe zu Hamm auf dem Gymnasio 3 Jahr und 2 Jahr in Halle jura studiret, und bei dem advocato Hammerschmidt auf dem Landgericht zum Hamm in praxi sich geübet...". In die Matrikel der Universität Halle ist er (laut Bescheinigung der Universität v. 19.11.1934) wie folgt eingetragen: "(No:) 50 - (Dies:) 1754 3. October - (Nomina Inscriptorum:) Henricus Jacobus Hohdahl - (Patria:) Wattenscheda - (Stud.:) Jur."

Nach seiner ersten Ausbildung erstrebt Hohdahl zunächst die Stadtsecretariatsstelle in Hamm i. W. Bei seiner Bewerbung legt er ein Zeugnis des Justiz-Raths Rose in Lippstadt vom 2.2.1760 vor, in dem gesagt ist: "... daß der Candidatus juris H. sowohl in den principiis Juris, als auch in dem neueren im Codice Fridericiano vorgeschriebenen modo procedendi die zur Verwaltung eines solchen Dienstes, erforderlichen Wissenschaften habe." Er muß sich aber noch examinieren lassen, legt das Examen in Soest ab und erhält darüber ein in Soest "im Justiz und Appellations-Collegio" am 24.6.1762 ausgefertigtes Attest. Das "Märkische Interims-Justiz-Collegium" in Soest berichtet darüber am 5.7. 1762: "Candidat hat bei dem Examen nicht nur gute Proben seiner Geschicklichkeit und Wissenschaft in Theoria juris gezeiget, indem er die ihm daraus vorgelegten Fragen überall wohl beantwortet, sondern es hat derselbe sämtliche Ihm zur Probe aufgegebenen Expeditionen gut ausgefertigt und überall gezeiget, daß er zu der gesuchten Secretariats-Stelle gewis hinlängliche Geschicklichkeit besitze." Inzwischen hatte auch - am 29.6.1762 - die "Hämmsche Deputation" (der Kriegs und Domainen Cammer) gebeten, die Stadt-Secretariatsstelle Hohdahl zu übertragen, und gesagt. "... ob Allerhöchstdieselben nunmehr geruhen möchten, diesem bey den feindl. Invasionen da er der Französichen Sprache mächtig, an dieser Stadt und Amt sich verdient gemachten und sonst bekannten geschickten und fleißigen Menschen diesen Dienst Allergnädigst zu erteilen." Ende Oktober 1762 erhält dann Hohdahl die erbetene Stelle. Aber schon im Januar 1763 bittet er, ihm eine durch Tod erledigte Stelle eines Advocaten beim Landgericht Hamm zu übertragen. Das Gesuch wird abgelehnt, da Konflikte bei Jurisdiction durch Landgericht und Magistrat zu befürchten seinen, wenn ein Magistratsbeamter zum Advocaten beim Landgerichte bestellt werde ("... daß diese beyden stellen wegen der streitigen Jurisdiction zwischen dem Magistrat und Land Gerichte, in einem subjecto nicht


*) Aus den Akten des Geh. Staatsarchivs in Berlin-Dahlem.


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Am 11.11.1764 richtet er ein neues Gesuch um Verleihung einer Advocatur an den König. Er führt darin aus, daß die Regierung die Frage, "ob die Advocatur mit der Secretariat-Bediennung comptabile wäre", im vorigen Jahre verneint und er daher "keinen Termin zum examine erhalten habe". Dann fährt er fort: "Meine Secretariat-Bedienung ist so schlecht, daß ich davon nicht substistiren kan. Meine Natürliche Neigung geht mehr auf Justiz, als auf Policeywesen; weilen ich dafür halte, daß ich in jenem Departement mehr gelegenheit habe, daß mir von Gott verliehene Talent und durch Fleiß erlangte capacité zum Dienst Ew. Königlichen Majestät, und Besten meines Nächsten besser anwenden und verbreiten zu könnnen. In dieser Absicht bin ich entschlossen, die Secretariat-Bedienung, weil ich auf keine andere Weise die Advocatur erhalten kan, niederzulegen, wenn es Ew. Köngl. Majestät allergnädigst gefallen mögte, mir die advocatur ...beym hiesigen Land Gerichte zu conferieren..."

Januar 1765 ergeht die königl. Anordnung zum Examen für den "cand. jur. und Stadtsecretarius Hohdahl". Das Examen wird von der Regierung in Cleve abgenommen; die Regierungen entsprachen damals in ihren Aufgaben den heutigen Oberlandesgerichten, Regierungen im heutigen Sinne waren die Kriegs- und Domänenkammern. In dem Examens-Protokoll heißt es: "Bey dem mit demselben so wohl ex Theoria als praxi vorgenommenen examine hat er sehr fertig geanwortet und eine hinlängliche Erkäntnis der Rechten und proceß Ordnung gezeiget, daher commissorii kein Bedenken finden, denselben zu der nachgesuchten advocatur für hinlänglich geschickt zu halten. "Hohdahl hat dann wohl bald - unter Niederlegung der Stadtsekretärstelle - die Advocatur erhalten (in den Akten war die Verleihung nicht zu finden), denn am 15.7.1765 berichtet die Regierung Cleve über die Frage der Neubesetzung des "Secretariat zu Hamm, welches der Advocat Hohdahl bisher verwaltet hat."*)

Im Frühjahr 1770 muß er seine Ehefrau begraben, die dem Kindbettfieber erlegen ist. Von den sechs Kindern leben nur noch zwei. Als er ein halbes Jahr später die zweite Ehe eingeht, ist nur noch eins vorhanden und auch dieses stirbt bald darauf.

Im Jahre 1777 wird Hohdahl 1. Bürgermeister der Stadt Hamm **).

Infolge Einrichtung der Landgerichte im Jahre 1753 hatte die Stadt Hamm die Jurisdiktion verloren. Zweifellos ist es auf das eifrige Bestreben und die Anregung des Hohdahl zurückzuführen, wenn der Magistrat Hamm am 9.10.1779 den von Hohdahl verfaßten und eigenhändig geschriebenen, ausführlich begründeten Antrag stellt, die Jurisdiction der Stadt wieder in Kraft zu setzen und den "dirigiren-


*) Vgl. Fußnote auf S: 754.
**) Nach gefl. Auskunft des Herrn Oberbürgermeisters von Hamm i. W.


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Die Goldene Hochzeit feierten:

18. Sept. Otto Wittig, Oberbaurat a. D., und Marie geb. Luyken, Potsdam, Lennéstraße 7; [X 40, Bd. 1, S: 94].


Nachdem am Morgen dieses seltenen Gedenktages zahlreiche Besucher aus dem Freundes- und Kollegenkreis ihre Glückwünsche überbracht hatten, nahmen an der in Anbetracht der Zeitumstände einfachen Mittagstafel außer dem Festespaar, seiner Tochter Else (3) und seinem Sohn Major Hans Wittig (4) mit Gattin Annemarie (5) und den drei Kindern I. (10), G. (9) und H. (8) sowie deren Muttermutter Frau General Ziegler (7) noch teil: Der 87jährige Bruder des Jubilars, Geh. Baurat Dr. Ing. e. h. Paul Wittig (2) aus Berlin-Grunewald, die beiden Geschwister der Goldbraut, Frau Meta Schmidt (1) aus Düsseldorf und Dr. Karl Luyken (6), Oberregierungsrat a. D. aus Berlin.

Letzterer gab in seiner Ansprache an die Jubilare einen kurzen Rückblick über den großen Zeitenweg, den die beiden Ehegefährten in treuer Liebe verbunden durch ein halbes Jahrhundert miteinander gegangen waren, und gedachte hierbei besonders der freudigen Begebenheiten und Erlebnisse, die gleichsam die sonnigen Etappen und lichtvollen Höhen dieses langen Weges bildeten. Er erinnerte zunächst an die hoffnungsfrohe Zeit ihrer jungen Liebe im Elternhause der Braut zu Düsseldorf, an ihre ersten gemeinsamen Reisen als Brautleute zu Pfingsten auf Gut Annaberg (Bd. I, S: 322) und bald darauf nach Bacharach zur Silberhochzeit der Brauteltern.

Und dann kam der hohe, der festliche Tag, heute vor 50 Jahren, an dem das junge Paar in der Johanniskirche unter den weihevollen Klängen der Orgel und dem Geläute der Glocken den Segen für den fortan gemeinsamen Lebensweg durch den greisen Pfarrer Carl Blech


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empfing, einen Segen, der sich, wie wir heute rückblickend dankbar erkennen, in reichem Ausmaße erfüllen sollte. Und nun sitzen die beiden Jungvermählten auf dem Ehrenplatz vor der großen, glänzend geschmückten Festtafel im prächtigen Saale des Elternhauses in der Kavalleriestraße 5; und durch die deckenhohen Spiegelscheiben hinter ihnen sendet über die Palmen des angrenzenden Blumenzimmers hinweg die Sonne ihre goldenen Strahlen glückverheißend in den Saal, den fröhlichen Kreis der vielen Verwandten und Freunde umleuchtend.

Dann beginnen die ersten Ehejahre mit ihren Elternfreuden, zunächst noch in Düsseldorf, wo die Tochter geboren wird, und bald darauf in Kassel, wo der Sohn und Stammhalter zur Welt kommt.

Schon wenige Jahre später erfolgt die ehrenvolle Berufung des Regierungsbaumeisters als Hofbauinspektor in den Dienst des Kaiserhauses zur baulichen Ausgestaltung und Betreuung der königlichen Schlösser, erst auf Wilhelmshöhe und dann als Mitglied der Kgl. Schloßbaukommission hierher nach Potsdam und damit auch vor reichlich 40 Jahren der Einzug in dieses Haus in der Lennéstraße.

Wieviel frohes Leben und welch' munterer geselliger Verkehr hat sich nicht während der vergangenen Vierjahrzehnte in diesen Mauern entfaltet! Wieviel Freunde und Verwandte sind in dieser Zeit hier freudigen Herzens ein und aus gegangen und haben in diesen Räumen, auf der Veranda und im Garten schöne Stunden anregender Unterhaltung genießen dürfen!

Dann aber ging die goldene, uns jetzt schon fast sagenhaft dünkende Friedenszeit zu Ende; der Weltkrieg brach aus. Als wir jedoch hier vor nun 25 Jahren in festlicher Runde um Silber-Braut und -Bräutigam froh vereint waren, die Tochter
Else im Ehrenkleid der Rote-Kreuz-Schwester unter uns und der Sohn Hans in Offiziers-Uniform mit dem Eisernen Kreuz auf der Brust auf Urlaub aus dem Felde, da bewegte noch stolze Siegeszuversicht unser aller Herzen.

Dann aber kamen Jahre schwersten Schicksals über unser Vaterland; trotz unerhörter Erfolge an allen Fronten unseres unvergleichlich tapferen Heeres brach das Deutsche Volk uneinig und irre geleitet zusammen. In dieser düsteren Zeit jedoch hatten die Eltern die große Freude, daß ihr lieber Sohn mit beiden Eisernen Kreuzen geschmückt wohlbehalten aus dem jahrelangen Kampf heimkehrte, daß er ihnen nach weitern Jahren die Schwiegertochter, unsere liebe Annemarie, zuführte, und aus diesem Lebensbunde ihnen 3 Enkel erwuchsen, die heute schon so groß sind, daß sie dieses seltene Fest ihrer Großeltern mitfeiern können.

Alle diese und viele andere sonnig heiteren Strecken des langen Eheweges unserer lieben Jubilare steigen heute vor unserem geistigen Auge auf; freilich hat es auch nicht an solchen Etappen gefehlt, - und welchem Erdenwanderer bleiben sie wohl erspart! - wo finstere Wolken drohend den Berg verdusterten, wo die Hausfrau monatelang zur Nervenkur in der Ferne weilte, und der Gatte einsam und traurig





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